marketing Entertainment   marketing Entertainment
  Profil Leistungen Archiv club Kontakt  
 

Beiträge in dieser Rubrik:

 
Lubecophon / Folge 1: „INTERNET-BLASE 2.0“ – Eine fast wahre Geschichte...
Lubecophon / Folge 2: „AGENTURSTERBEN? JA, BITTE!“ – Eine fast wahre Geschichte...
Lubecophon / Folge 1:
„Internet-Blase 2.0“
Guten Tag. Mein Name ist Oliver Lubeck – und ich bin seit 20 Jahren mehr oder minder freiwillig Marketing- und Medienmacher. Und will Ihnen auf diesem Wege regelmäßig von meinen haarsträubendsten Abenteuern in den Labyrinthen der internationalen Marktwirtschaft berichten.

In der heutigen Folge wollen wir uns einmal mit der Frage beschäftigen: Ist die Technologie-Blase der Jahrtausendwende wirklich vorbei? Sie erinnern sich: Tausenden von bebrillten Studienabbrechern, die wegen ihrer durch Fastfood verursachten Hautprobleme notgedrungen regelmäßigen Sexualverkehr gegen einen Playmobilkoffer voller Disketten tauschen mussten, wurde von bauernschlauen Investoren Millionen von Dollars in sämtliche Körperöffnungen geschoben. Alles, was dafür nötig war, war ein möglichst unnachvollziehbarer Source-Code einer tunlichst nutzlosen Software. Hauptsache, die Schlüsselworte IT oder Internet waren zwischen den Pizzaflecken in der schlampig zusammengeschusterten Businessplanung zu lesen.

Nun sollte man meinen, dass die Welt nach dem ersten bösen Hallowach an den Börsen inzwischen geläutert wäre. Dass sinnlos und voreilig in den lauen Wind unnützer Technologieversprechen geblasene Investments, die auf Umwegen schließlich UNSEREM Bruttosozialprodukt wieder das Leben schwer machen, inzwischen der Vergangenheit und der reiferen Erfahrung angehören. Aber: Weit gefehlt. Ich will Ihnen das mal in Form eines rekonstruierten und exemplarischen Telefongesprächs belegen, dass ich genau so oder sehr ähnlich noch heute immer wieder führen muss. Natürlich ist zu demonstrativen Zwecken das ein oder andere etwas übertrieben bzw. plastischer dargestellt. Aber Sie müssen mir glauben – im Tenor ist gerade die Authentizität... das eigentlich Erschreckende daran.

(Telefonklingeln)

  Lubeck - guten Tag?
 
(Beschwingt:) Hallo! Das is den Nils Knudsen vom Aalborg in Denmark!
 
Ja, guten Tag. Was kann ich denn für Sie tun?
 
Ja, is hab ihrem Lubecomat gesehen – und fand dem klasse. Wir haben im Büro gesmunzeln mussen und allen von den Seite angeschaun. Sehr gut gemacht, den Website. Information, Emotion, Dialog - allen spitze. So ich hab gedenken, dass is soll sprechen mit Sie, so Sie kann Marketing für unsern Unternehmen machen, vielleiss? Vor allen mit den Internet.
 
Natürlich gern. Wo fehlt es Ihnen denn augenblicklich?
 
Also – is erzählen ers mal von unsern Unternehmens. Wir sinn ein Softwarefirma mit 97 Mitarbeiter. Wir machen ein Online-Messenger, das ist finanziert mit Werbung und gibt als Whitelabel. Unsern Firma gibt seit 4 Jahren. Wir haben gestarten mit Investment von 17 Millionen Euros. Nun wir haben von die 17 Millionen schon 24 Millionen ausgegeben. Jetzt wäre günstigen Zeitpunkt vielleiss, dass wir mal Geld verdienen mit den ganzen Technics. So dann wir jetzt brauchen den Marketing viel mehr.
 
Aha. Das klingt doch schon mal spannend. Mit diesem Markt kenne ich mich zudem nicht allzu schlecht aus. Darf ich fragen, wie weit Sie aktuell sind? Wieviel Subscriber haben Sie denn bislang?
 
Fünf
 
Sie – meinen 5 Millionen?
 
Nei, nicht gans so vielen.
 
Also 500 Tausend?
 
Nei, etwas wenigern noch.
 
Ahm - 5000?
 
Nei - Fünf!
 
Fünf Subscriber?
 
Ja. - Das is jetzt nicht so vielen, nei?
 
Nein, das ist tatsächlich nicht allzu viel...
 
Könnten mehr sein, was?
 
Ja, durchaus. Könnten mehr sein. Wenn ich kurz zusammenfassen darf: Sie haben 17 Millionen Investment, davon schon 24 Millionen ausgegeben, 97 Mitarbeiter – und nach 4 Jahren 5 Subscriber...
 
Sind aber allen treuen Fans von unsern Produkt, den Messenger. Wie sagt man: Kleinkuh machs auch Dünger. Fans sin wichtig – Qualitäten vor Quantitäten. Die machen vielen Stimmung im Markt, unsern Subscriber. Vermutlich.
 
Die Fünf Leute...
 
Ja, genau. Ist auch tollen Technik in unsern Produkt. 97 Featuren, die sind super und ganz neu.
 
Warum ausgerechnet 97 Features?
 
Wir habens 97 Mitarbeitern. Allen in den Technics-Abteilung.
 
Ach so. Aha. Ähm – kommen wir noch mal zurück auf Ihre Subscriber.
   
Dolle Fans. Super Produkten.
 
Ja, ja. Was, ähm, wie... sieht denn Ihre Zielgruppe bisher aus? Was sind das für,... ähm, 5 Leute?
   
Also: Das ist den Inga, die Cousine von mein Mutter, das ist den Schwager Sören, den Robert Jackson (einen von unsern Investor aus USA, lustigen Kerl) und sein Chauffeur Jussuf. Und dann noch die Jette, die Nachbarin von Sven, unsern CFO. Die Jette is allerdings gerade in den Krankenhaus wegen die Hüfte. So sie ist gerade nicht in unser Gruppe mehr, in die Community. Sie hat beim Aufräumen von den Keller ein Karton mit Konservendosen zu swer gehebt – so sie hat ein Hüftenproblemen und is 3 Wochen weg jetzt. In den Krankenhausen. Vor ein Jahr sie hatte schon mal was mit den Hüfte, damals aber sie hat...
 
Ähm – wenn ich da mal kurz einhaken darf: Mal unabhängig von Ihrer Fanbase – kommen wir mal zu Ihrem Produkt selbst. Wie heißt Ihr Messenger noch gleich?
 
Gnonf®.
 
Gnomf®?
 
Nein, nein, nicht Gnomf® – Gnonf®!
 
Das, ähm, ist international vielleicht auch ein – sagen wir, nicht zutiefst optimaler – zumindest, ähm, aber recht polarisierender Brand, scheint mir.
 
Aber gibt es den nur einmal. Und is den einzigen, bei den ein Domain noch frei war. Inga, Sören und Robert fanden den Namens gut. Wir hatten kurz ein Agentur – den fand die Namen nicht so toll. So wir haben kein Agentur mehr jetzt. Den Robert is sehr ungeduldigen. Und hat ein Neffen, den is auch Praktikant in ein Werbeagentur. Und hat auch Photoshop. So wir machen den allen Werbung selbst dann.
 
Okay. Kommen wir vielleicht kurz zu Ihrem Budget. Wie viel von den 24 Millionen Euro war denn für das Marketingbudget vorgesehen?
 
Zehn.
 
10 Millionen? Das ist eigentlich ja gar nicht mal so...
 
Nei,nei - 10.000!
 
In 4 jahren?
 
Jap.
 
Aha.
 
Das - is jetzt nicht so vielen, nei?
 
Nein, das ist nicht allzu viel...
   
Könnten mehr sein, was?
 
Ja, das könnte möglicherweise mehr sein. Wenn ich fragen darf (da ich einer ganz ähnlichen Ausgangslage bereits mal begegnet bin): Wie konnte denn bei 24 Millionen Euro auf ein Marketingbudget so nahezu verzichtet werden? Ist Ihren Investoren denn nicht aufgefallen, dass es da offenbar ein Loch in Ihrem Businessplan gibt?
 
Woher Sie wissen von den Loch in unsern Businessplan?
 
Ähm – was meinen Sie?
   
Na, den Loch von den Sven?
 
Loch? Sven? Ich verstehe nicht...
 
Bei den letzten Investorenrunde hat doch den Sven – den Sven, unser CFO, ist ein slimme Rauchern, starken Marlboro – da hat den Sven doch mit sein Asche ein Loch in den Businessplan gebrannt. So hat den Robert, unseren Hauptinvestor, gedacht, das Brandloch wäre vorher den Marketingplan gewesen. So niemanden dann hat mehr gefragt nach den Marketingplaning in die 4 Jahren. Wegen den Brandloch von den Sven.
 
Aha.... gut. Also: Vielleicht sollten wir an der Stelle mal erörtern, wofür Sie bisher Ihren, äh, Marketingetat – also die 10.000 EURO ausgegeben haben. Was für Aktionen haben Sie bislang denn gefahren?
 
Tollen Sachen. Sport-Sponsoringen. Bei den Europameisterschaft haben wir unsern Logo unter die Schuhsohlen von den belgischen Nationalmannschaft geklebt. Sponsoring in Fußball. Tollen Idee. Von den Robert. Lustigen Kerl.
 
Ja, an sich durchaus eine... tolle Idee. Allerdings, auf den Schuhsohlen – das, ähm, fällt ja nicht gleich so ins Auge, möchte ich meinen. Mal abgesehen davon, dass die belgische Nationalmannschaft ja nicht unbedingt so zur Europäischen Spitze gehört...
 
Deswegen war den ja auch so billig, den Sponsoring. 9.000 EURO.
 
Hm. Wenn ich’s mir recht überlege: War vermutlich zumindest ein einträglicher PR-Gag.
 
Was meinen Sie mit den „PR“?
 
Vergessen wir das. Die Vergangenheit hilft ja nun unter diesen Umständen auch nur bedingt weiter. Also zurück zum Jetzt: Mit welchem Marketingbudget wollen Sie denn jetzt neu starten?
 
Also, na ja, Sie muss verstehen, dass wir von die 17 Millionen fast 24 Millionen in den Technics gestecken haben. So wir haben nis mehr so vielen Geld für den Marketing.
 
Aber – Sie rufen mich ja schon an, weil Sie Marketing benötigen, nicht?
 
Jaja. Den Lubecomat ist ein witzigen Website. Und allen von den Web-TV-Referenzen. Webmarketing, SEO & Web-TV: Prima Sachen. Wir kennen in den Medien schon gut aus. Wir habens selbst 15 Websites für unsern Angebot. Gnonf.net, Gnonf-new.com, Gnonf.dk...
 
Nun ja, aber wie haben Sie sich das mit meinen Kosten und den Medien-Produktionskosten so ungefähr vorgestellt?
 
Jaaaa, Sie mussen verstehen, dass wir ersmal Income von erfolgreichen Projekten brauchen, nei? Davon wir kann Sie bezahlen. Das ist ja wohl logisch. Geld is an sich für uns gar keinen Problem. Wenn den da is. Wir haben viel Investoren. Und sind an die Börsen.
 
Gut – stellen wir das Budget noch mal kurz zurück. Was ist Ihr eigentlicher U.S.P. auf dem dicht gedrängten Messaging-Markt?
 
You as Pee? Was hat den Ganzes mit Urin zu zun?
 
Nein, was... was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal?
   
Na, wir haben jetzt immer noch nur den 5 Subscribern. Ohne Jette mit den Hüftschaden es sind 4 nur noch. Da wir sind allein genug, nei? Noch mehr allein, Herr Lubeck, wollen wir aber nis sein. Das is wohl den falschen Marketingansatz, denke ich. „Allein“ is kein Problemen – aber einen Merkmal muss man nich auch noch draus machen, da bin ich den sehr sicher. Das enttäuscht mich jetzt in den ersten Eindruck schon was...
 
Gehen wir es noch mal anders an: Sie haben ja einen Top-Asset – Ihre Technologie. Ihr Produkt – den Messenger.... Gnonf.
   
Na ja...
 
Was meinen Sie mit „Na ja...“?
 
Nun, den ist noch nicht so ganz fertig. Erstmal in den Beta-Phase. Aber wir sind ganz dicht an den Launch. Bald. Brauchen nur noch etwas mehr Geld für den Technics.
 
Ach so. Das Produkt ist eigentlich noch gar nicht ganz fertig. Nach 24 Millionen Euro Investment bei 10.000 Euro Marketingbudget, ohne PR, einem Brandloch im Businessplan, mit 5 Subscribern, die allesamt aus der Verwandtschaft kommen (mal aktuell abgesehen von Jette mit dem Hüftschaden), Medien von einem Werbeagenturpraktikanten mit Photoshop und Logoaufklebern auf den Schuhsohlen belgischer Nationalspieler. Wenn ich Sie richtig verstehe, soll ich mir auf dieser Basis dabei mein Budget selbst schaffen, indem ich ohne Marketingetat erfolgreiche Abverkäufe generiere, die auf der Grundlage eines nicht funktionierenden Produktes kommuniziert werden sollen, das Gnonf heißt. Zumindest aber darf ich davon ausgehen, dass die grundsätzliche Webmarketing-Strategie, wie sie im Lubecomat angeregt ist, Ihre Zustimmung findet?
 
Na ja...
 
(allmählich leicht säuerlich die Zähne zusammenbeißend:)
Was – meinen – Sie – denn – jetzt –wieder- mit – „Na ja...“!
 
Also, unser CTO, den Jörn, der mag keinen grüne Farbe. Sie haben aber vielen Grün in Ihren Lubecomat. Das erinnern den Jörn zu sehr an den Jacke von sein Physik-Lehrer in sein Gymnasium in Kobenhaven. Und den war nicht ein Freund von den Jörn. Einigen anderen von unsern Team haben jetzt dann so seinen Zweifeln, dass Sie auch in den Lila arbeiten können. Den Lila is nämlich unsern Hausfarben. Meistens.
 
Wenn also meine Website lila wäre, wäre ich genau Ihr Mann, um kostenlos ein unfertiges Produkt namens „Gnonf“ zu verkaufen, auf dass daraus dann – so Gott will - mein eigener Marketingetat entsteht...?
 
Also, Herr Lubeck – ich will mal mit ganzen Offenheit sagen, dass Ihren Ton mir ein bisschen zynisch vorkommten. So kommen wir nicht in einen Topfen. Wir haben da schließlich den Neffen von den Robert, der auch Photoshop lernt und Marketing machten kann – is wollt Ihnen einen Chancen geben. Weil mir den Lubecomat so gut gefallt und Sie einen guten Ruf haben. Gegen den Meinung von den Jörn, der dem Ganzen nicht versteht. Aber so geht den ganzen Geschichte einfach nicht. Sie mussen schon kooperieren, Herr Lubeck. Wir sinds nicht irgendwen. 97 Mitarbeitern. 24 Millionen Investment. Und an den Börsen. Da mussen Sie schon sich mehr einbringen, Herr Lubeck.
 
Meine leichte Verwirrung sollte Sie keinesfalls brüskieren. Ich versuche nur, mir ein Szenario aus dem Gehörten zugunsten eines potenziellen Marketingkonzeptes zu machen. Was war übrigens noch gleich Ihre Funktion bei „Gnonf“?
 
Ich bin den Marketingchef. Aber auch den Webdesign und Autoleasing.
 
Ach so...
Lubecophon / Folge 2:
„Agentursterben? Ja bitte... “

Guten Tag. Mein Name ist Oliver Lubeck – und ich bin seit 18 Jahren mehr oder minder freiwillig Marketing- und Medienmacher. Und will Ihnen auf diesem Wege regelmäßig von meinen haarsträubendsten Abenteuern in den Labyrinthen der internationalen Marktwirtschaft berichten.

Normalerweise stelle ich an dieser Stelle ungefragt den ein oder anderen Stützpfeiler unserer bissig wehrhaften Konsumgesellschaft in Frage. Meist, um darüber selbst in einem für mich kommerziell attraktiveren Licht zu leuchten. In dieser Folge aber wollen wir uns die seit ca. 200 Jahren strukturell und inhaltlich weitestgehend unveränderte Werbeindustrie (besonders das trotz besseren Wissens scheinbar unverwüstliche Agenturwesen) in der gewohnt vorbehaltslosen Form anschauen, mit der wir ihr freiwillig nach wie vor tagein/tagaus jeden Dreck genau da abkaufen, wo er einfach nur ein klein wenig weniger doof serviert wird als anderswo. Aus purer Gewohnheit. Und weil’s dafür zur Belohnung z.B. so TV-Medien-Juwele gibt wie „Die Auswanderer kehren nach ihrem fulminanten Versagen gefilmt wieder zurück“ - oder „Und da kocht wieder jemand – und wieder steht irgendeine Moderatorenleiche ebenso charmant wie unglaublich verzichtbar daneben“ oder „Frauen reden für knapp 1 Mio. Euro die Folge über Schuhe und/oder über Sex oder über Sex in Schuhen – leider aber nicht darüber, wie man als 60jährige Frau am Strand mit seinen faltigen Prolo-Tätowierungen ggf. nicht verhaftet wird – oder doch werden sollte“. ...Punkt TV.

Und Menschen, die sich noch im neuen Jahrtausend tatsächlich Reime wie „...waren zwei Kerle – verliebt in Jana, sie kam aus Werle“ tatsächlich als Marketing (für echtes Geld!) an die Markenindustrie zu verkaufen trauen, bestimmen dazu noch immer – nahezu ungebremst - das Höchstmaß der kulturellen Hirnlosigkeit: Nämlich das so unbeirrbar und so widerspenstig wie kaum etwas anderes sterbende Werbefernsehen.

Nun fragen Sie sich sicher, wie eine solch mehrfach gequirlte intellektuelle Fäkalmasse eigentlich entstehen - und so viele Produktions- und Media-Millionen und Etagen voller Fachpersonal immer wieder überspringen kann. Wo doch scheinbar Heerscharen studierter oder zumindest zurechnungsfähiger Menschen all diese Schritte mit Herz, Ethos und/oder zumindest Verstand regulieren könnten. Die Antwort ist – wie immer – wesentlich kürzer als das Problem. Und passt in ein Wort: Werbeagenturen. Und was dieses eine Wort in unserer Kultur an Wilderei und verbrannter Erde anzurichten in der Lage ist, möchte ich im Folgenden an einem relativ authentisch rekonstruierten, wie immer aber vor allem maßlos übertrieben dargestellten Telefongespräch nun skizzieren:

(Telefonklingeln)

  Lubeck - guten Tag?
 
(Total jung und hip, vergeblich unterdrückter rheinischer Akzent:)
Hey – hallo! Hier ist die Agentur „Die Drei lustigen Zwei“ & Partner Creative-Partners für kreatives Marketing, eCommerce & Werbeagentur AG aus Düsseldorf (Platz 35 im Ranking, 72 Mitarbeiter). Ich bin der Jens (Geschäftsführer Campaigning). Ich sach’ einfach mal „Du“, so unter uns alten Marketingfellows.
 
Gern – wenn Sie möchten. Was kann ich denn für Sie tun?
 
Ja, Du – Deinen Lubecomat da und Deinen Text, den fanden wir hier aber alle schon mal total schmissig, hey. Auch so, wie Du so krass über die ganze Agenturlandschaft ablästerst und so. Total geil. Und Euer ganzes DYNAMO MÜNCHEN® Ding und so. Mit den ganzen Multimedia Crossmedia Webmarketing Sachen. Ziemlich sophisticated so. Auch so vom Design her – das ganze Classic-Ding. Wir sind ja selbst auch eher so eine total untypische Werbeagentur > immer noch, trotz der Größe, eher so independent so – da passen wir schon mal total gut zusammen.
 
Aha. Würde mich ja freuen.
 
Wir hätten da so zwei, drei Projekte so. Vor allem so Online-Dinger. So im Schnitt so 800 Mille Etat each so. Ist das was für Dich?
 
Ja, selbstverständlich. Worum geht’s da genau... so?
 
Ja, ganz aktuell so haben wir da z.B. gerade so eine große Wurstwaren-Marke in der Pipeline, die sich jetzt eher so voll auf den Youth-Bereich konzentrieren will. So Wurst auch für Teens & Twens so. Family-Wurst, ne? „Schlottmann’s Wurstwaren und Immobilienhandels AG“ - kennste? Klar, oder? Wir sind da jetzt auch schon ziemlich weit so – fehlt nur so der kreative Pfiff von außen. Weißte?
 
Hm. Um - was für eine Art „Pfiff“ geht es denn da akut?
 
Ja – das wissen wir ja auch nicht. Irgendwie fehlt da einfach noch irgendwas in unserer Kampagnenlinie. Auch so von wegen Communitybuilding und Media-Concepting so. Auch so Web 2.0, weißte? So der - Pfiff eben.
 
Ja, verstehe. Was haben Sie denn für einen Ansatz?
 

Wir haben da gerade ein 12 Mann-Team dran. Die Keystory ist schon mal an sich ziemlich geil so. Hey – aber bitte total diskret so, ja? Wir haben die letzten 5 Wochen hauptsächlich so am Claim designed. Was hältst Du denn so von: „Yo, Ghetto-Gangsters: Ist Dir auch Dein Leben Wurst? Dann try jetzt Schlottmann’s Leberwurst. – Yo“ . - Klar, oder? Leben Wurst > Leber-Wurst. Mit so’m Rap-Sound halt noch.

(Längere Stille, Grillenzirpen)

 
O – kay... . Das, ähm, hat doch schon mal was ganz eigenes... so.
 
Na ja, das letzte „Yo“ ist vielleicht etwas zu fett, oder? Wir wollen da ja eigentlich auch nicht bloß so billig auf Youth-Credibility machen. Da streiten wir gerade noch drüber.
 
Und – was habt Ihr sonst schon... so?
 

Hey, da geht’s ja aber erstmal ab, an der Stelle: Also als Testimonials stellen wir uns Bushido und Guido Westerwelle vor. Weißte? So wegen Contrast. Und political Corectness. Sitzt Du gerade am Rechner? Ich mail Dir gleich mal unser Keyvisual rüber. Total krass. Das ganze basict auf einem Werbespot im FFF. Total – krass. Ich erzähl’ Dir mal das Storyboard von dem Spot. Pass auf: Guido Westerwelle und Bushido begegnen sich im 1. Klasse Abteil im ICE nach Berlin. Schnelle Schnitte so im MTV-Look, reduzierte Farben und so. So ein bisschen Doku-Style. Im Abteil sitzt auch eine alte Frau, deutlich erkennbar eine Hartz VI Empfängerin. Die sieht extrem depri aus so. Weißt schon – ein paar Monate kein Friseur für die lila Haare und Mode ausm „KiK“-Schlussverkauf. Aus dem Gesicht springt so: „Buhuuuh – der Norbert Blüm hat mich beschissen und der Gerhard Schröder hat noch den Deckel drauf gemacht“ (lacht doof). Klar, ne (kriegt sich kaum noch ein)? Ne, pass auf: Also die Alte guckt halt voll so düster, ne? Der Westerwelle legt sein Tatar-Brötchen ohne Zwiebeln (will ja auf dem Bundespresseball beim Tanzen nicht stinken) behutsam zur Seite und wendet sich milde lächelnd der Alten zu und sagt (so total milde, weißte? Mit der passenden Musik-Atmo): „ Verehrte alte Frau (oder so was): Es gibt in dieser Gegenwart mehr Zukunft, als uns die Gegenwart wählen lässt. Wenn wir nur in der Gegenwart mehr Zukunft wählen. Und uns bewusst werden, was uns in der Gegenwart an Zukunft in Händen liegt. Es ist die Gunst des Augenblicks, dass uns das, was wir in der Gegenwart in der Hand haben, die Zukunft der Gegenwart näher bringt...“. Weißte? Halt so auf Emotion, so. Halt nicht so’n 08/15 Werbetext. Mehr so mit Gehalt. Mit so „Merci“-Streichern und `ner netten Frauenstimme untermalt, die leise im OFF singt: „Future – is what we hold in our hands...“. Und dann holt der Bushido – voll sauer (wie immer halt) – eine Wurst aus seiner Jackentasche. Und sagt: „Jetzt aber mal konkret, Ihr Bitches! (die Musik wechselt in so einen Rap-Sound, weißte?) Yo, alte Frau: Ist Dir auch Dein Leben Wurst? Dann try jetzt Schlottmann’s Leberwurst. – Yo“. Die Alte kriegt ein zufriedenes Strahlen in ihrem verhärmten Gesicht und nickt beseelt. Und der Westerwelle sagt: „Sehen Sie, alte Frau – manchmal braucht es nur wenig, um die Gegenwart der Zukunft ein wenig näher zu bringen. Und mag es nur das sein, was wir hier und jetzt in unseren Händen halten: Wie Schlottmann’s, die Familien-Wurst...“ . Verstehste? Über den Familienansatz kriegen wir sie dann alle. Klar, dass die Jugend sich da voll integriert fühlt. Come together with the right Wurst, so. Also haben wir das Briefing gleich noch getoppt, indem wir den Family-Aspekt voll eingebaut haben. Alle an einer Wurst. Mehr so die harmonische Familienschiene, halt. Aber mit politischem Hauch. So die Wurst als sozialer Zusammenhalt und Einheit. Aber auch immer so für das RTL 2 Publikum. Und trotzdem auch was für den Kopf, so. Halt für alle was dabei. Mit Bushido sind wir soweit schon klar. Der Westerwelle zickt noch etwas...

(Wieder längere Stille, Grillenzirpen)

 
Ähm – tatsächlich? Herr Westerwelle ist also spontan nicht so begeistert? Verstehe ich gar nicht...
 
Ich weiß schon: Das letzte „Yo“ ist, wie gesagt, vermutlich auch etwas zu fett. Aber daran arbeiten wir ja noch. Wahrscheinlich wird’s dann auch noch etwas geschmeidiger mit dem Westerwelle. Wie gesagt – der Pfiff fehlt irgendwie noch. Wahrscheinlich nur ein Detail.
 
Ja, wahrscheinlich.
 
Wie gesagt: Wir sind schon ziemlich weit...
 
...aber der Pfiff fehlt noch.
 
Ja, genau. Hey, Du hast das schon total geblickt. Nicht schlecht.
 
Was kann – ich da denn aber nun noch ganz konkret beisteuern?
 
Irgendwie so in Sachen Keystory - und so ein Web 2.0 Ding. Und noch mal so kosmetisch über die Idee drüber. Wie gesagt: 800 Mille im ersten Jahr, dann wird’s gern mehr.
 
Steht denn die Logik insgesamt noch zur Debatte? Zum Beispiel, warum eine Hartz VI Empfängerin im 1. Klasse Abteil sitzt? Die Konstellation der anderen beiden Herren lassen wir dabei als künstlerische Freiheit, bzw. Surrealismus mal wohlmeinend außer Acht...
   
Wie... jetzt. Hey, also jetzt warte mal... . das ist doch klar, weil... - also ich hab’ plötzlich so ein bisschen den Eindruck, dass Du jetzt hier eher so unbedingt Dein eigenes Ding durchdrücken willst. „Öööt, öööt: No-TeamPlay-Alert“! hey. Ich hab’ halt so mal gehofft, dass mal einer dabei ist, wo nicht unbedingt so Kreation wieder gegen Kreation kämpft. Wenn Du Dich da nicht mit unserem Konzept arrangen kannst..., also, ein bisschen Teamfähigkeit sollte schon so da sein. Das Team ist ja bei uns alles so. Also so flache Hierarchie und Nutzenkompetenz. Und totale Offenheit für jede Meinung. Aber so nicht. Da bin ich jetzt grad mal – sag ich ganz ehrlich – schon ein bisschen enttäuscht so. Also für Einzelkämpfer und Selbstdarsteller – ne, also da wird ganz sicher schwer ein Efficiential Social Combining draus. Mit unserer Kreativchefin kommst’e so jedenfalls ganz sicher nicht klar, mit dieser Ego-Nummer...
 
Ich wollte das Ganze ja an der Stelle eigentlich keineswegs an sich hinterfragen. Nur: Wegen der Details haben Sie mich vermutlich angerufen, oder? Oder nicht...? Ich dachte, Sie suchten die Ergänzung für Ihre... Idee..., bzw. Strategie und Medientaktik?
   
Hm. Ne, also da muss ich noch mal in mich gehen. Und schauen, ob ich so eine Haltung in unserem Team unterbringen kann, so. Ich meine, unser Main Front Office Practicant hat schon 47 Folien auf dieser Strategie aufgebaut. Hey – da kannst Du nach 17 Marktstudien und 8 Exceltabellen jetzt nicht mit so einer Ego-Kiste ankommen. Weißt Du, das ist schon ein Unterschied, so Platz 35 und 72 Mitarbeiter - und dann so Einzelberatern und Medienleuten wie Dir so. Ich glaube, das ist uns dann eher etwas zu speziell. Eher so eine Nischen-Sache. Sorry.
 
Erlauben Sie mir kurz noch einmal die zaghaft vorgetragene Frage: Warum haben Sie mich eigentlich angerufen?
 
Ja, weil – wir wollen hier halt immer und so total unvoreingenommen über den Tellerrand blicken. So neue Medien und so. Neue Wege. Halt mal total nicht betriebsblind und total offen. Und das Web ist halt da so unsere Schwachstelle – da will ich ja gar nicht rum tun.
 
Aber – Sie führen doch den Begriff eCommerce exponiert in Ihrer Firmierung...
 
Ne – Oliver: Das ist jetzt aber eindeutig genau ein Tick zuviel von dieser populistischen Polemik. Wir haben hier seit 1992 wirklich genug Classics zu erfüllen. Da muss man uns nicht aufs Brot schmieren, dass wir als Top 35 Agentur mit 72 Mitarbeitern mit dem Web so unsere Baustelle haben. Ich find’ ja persönlich klasse, wenn Du so die Agentur-Branche auf’s Korn nimmst. Aber, hey, mit mir brauchst Du das Spiel jetzt nicht durchzuziehen. Wir sind da von einem ganz anderen Schlag, als die anderen. So voll auf Web 2.0 und all das. eCommerce und Webmarketing vom Feinsten. Ich dachte, da schwingst Du mit. Und mit den innovativen Ideen und so. Das finde ich jetzt aber so was von total unfair, uns das reinzudrücken, dass wir dafür zu Dir kommen müssen. Was übrigens sowieso mit der Haltung kein Schuh wird. Da draus. Wird kein Schuh. Draus. Weißt schon, was ich meine. Sorry – das ist eine Grundsatzentscheidung. Da geht kein Weg zwischen uns. Too much Disharmony. Hey. Sorry.
 
Dann – ähm, soll ich mich also nicht um diese Schlottmann’s – Jugend-, respektive Familien-Wurst-Geschichte kümmern?
 
Was? Ne, klar – hey, wir reden doch hier nur so mal Tacheles, unter uns alten Werbehasen. So ganz offen so. Hast Du völlig falsch verstanden. Also: Wir brauchen von Dir noch einen kompletten CI-Relaunch, ein Webmarketing-Konzept, ein Produkt-Redesign, dann noch ein Web-TV-Tool, ein SEO und SEM-Konzept, ein Dialog- und Crossmedia-Konzept, eine..........
(Ausblendung)